Ratgeber Spanien

Steuern in Spanien für Deutsche — Was du wissen musst

Steuern sind beim Umzug nach Spanien der unterschätzte Faktor. Wer die Regeln nicht kennt, zahlt schnell doppelt oder gerät in Konflikt mit der Agencia Tributaria. Dieser Überblick erklärt die wichtigsten Begriffe — ersetzt aber keine individuelle Beratung.

Die 183-Tage-Regel

Wer mehr als 183 Tage eines Kalenderjahres in Spanien verbringt, gilt automatisch als steuerlich ansässig (Residente Fiscal) — auch wenn der Wohnsitz in Deutschland gemeldet bleibt. Spanien besteuert dann dein gesamtes Welteinkommen: Gehalt, Rente, Mieteinnahmen, Kapitalerträge. Das gilt auch, wenn dein wirtschaftlicher Mittelpunkt oder dein Ehepartner in Spanien lebt.

Einkommensteuer (IRPF)

Die spanische Einkommensteuer ist progressiv und reicht je nach Region von etwa 19 % bis 47 %. Sie wird zwischen Staat und autonomer Region geteilt — Madrid und Andalusien gelten als steuergünstig, Katalonien und Valencia als teurer. Erklärung (Declaración de la Renta) jährlich zwischen April und Juni für das Vorjahr.

Modelo 720 — die Auslandsmeldung

Residenten müssen ausländisches Vermögen über 50.000 € jährlich melden — getrennt nach Konten, Wertpapieren und Immobilien. Das Formular heißt Modelo 720. Versäumnisse waren früher drakonisch bestraft; nach einem EuGH-Urteil wurden die Strafen 2022 entschärft, die Meldepflicht bleibt aber bestehen.

Doppelbesteuerungsabkommen

Zwischen Deutschland und Spanien gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen, das regelt, welches Land welches Einkommen besteuern darf. Bei deutschen Renten ist Deutschland in vielen Fällen vorrangig zuständig, bei Mieteinnahmen das Belegenheitsland. Doppelte Besteuerung wird durch Anrechnung vermieden — die Erklärung musst du in beiden Ländern abgeben.

Beckham-Gesetz: Steuerprivileg für Zuzügler

Wer beruflich nach Spanien zieht und in den letzten 5 Jahren nicht dort residiert hat, kann auf Antrag pauschal mit 24 % besteuert werden (bis 600.000 € Jahreseinkommen), und das für sechs Jahre. Gilt vor allem für Angestellte, seit 2023 unter bestimmten Bedingungen auch für Digital Nomads. Wichtig: rechtzeitig beantragen, sonst entfällt der Vorteil.

Vermögen- und Erbschaftsteuer

Die Vermögensteuer (Impuesto sobre el Patrimonio) greift ab etwa 700.000 € Nettovermögen, mit großen regionalen Unterschieden — Madrid und Andalusien haben sie de facto auf null gesetzt, in Katalonien fällt sie an. Erbschafts- und Schenkungsteuer ist regional sehr unterschiedlich; nahe Verwandte zahlen in vielen Regionen wenig bis nichts.

Häufige Fragen

Muss ich meine deutsche Rente in Spanien versteuern?

Gesetzliche Renten werden meist in Deutschland besteuert, müssen aber in der spanischen Steuererklärung angegeben werden (Progressionsvorbehalt). Betriebsrenten und private Renten können anders behandelt werden — Einzelfallprüfung empfohlen.

Was passiert, wenn ich mich nicht steuerlich anmelde?

Die Agencia Tributaria gleicht zunehmend mit Banken und Behörden ab. Wer als Resident gilt und keine Erklärung abgibt, riskiert Nachzahlungen plus Strafen von 50–150 % der Steuerschuld.

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